Plastic2Beans – mit Kaffeetrinken Gutes tun und zwar mit Plastik

Hallo Kalie, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei Plastic2Beans kurz vor:

Hallo! Ich bin Kalie, promovierter Polymerchemiker und finde Kunststoffe großartig. Ich habe Plastic2Beans gegründet, um das Recycling von Kunststoffen dorthin zu bringen, wo der Impact am größten ist. Wir sind eine bunte Mischung aus 6 verschiedenen Leuten. Alle im Team sind unglaublich motiviert und leisten großartige Arbeit.

Vielleicht möchtest Du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Gerne. Wir heißen Plastic2Beans und machen nachhaltigen Handel und Entwicklungszusammenarbeit in den Bereichen Kunststoff und Kaffee. Wir fördern den Aufbau von Kunststoffrecycling und den Aufbau einer eigenständigen Kreislaufwirtschaft in Äthiopien. Und im Gegenzug bringen wir direkt gehandelten Specialty Coffee höchster Qualität von Äthiopien nach Deutschland.

Welches Problem wollt Ihr mit Plastic2Beans lösen ?

Wir möchten den Umgang mit Kunststoffen nachhaltiger gestalten. Denn angesichts des Klimawandels gibt es hier dringenden Veränderungsbedarf. Kunststoffe müssen kreislauffähiger werden.

Konkret lösen wir in Äthiopien das Problem, dass dortige Unternehmen bisher kaum Zugang zu Know-How und Technologie für das Recycling von Kunststoffen erhalten. Und in Deutschland tun wir etwas gegen das Problem, dass hier noch viel zu viel mittelmäßiger und nicht fair gehandelter Kaffee getrunken wird.

Wie ist die Idee zu Plastic2Beans entstanden ?

Das ist per Zufall passiert. In einem Schwimmbad in Köln fragte der Sohn von Abiye, ob er  sich die Schwimmflügel von meiner Tochter ausleihen könnte. Ich kannte Abiye vorher nicht und wir sind einfach ins Gespräch gekommen. Dann haben wir gemerkt, dass wir mit meinem Wissen für Kunststoffe und der Verbindung zu seinem Geburtsland Äthiopien etwas auf die Beine stellen können.

Wie würdest Du Deiner Großmutter Plastic2Beans erklären ?

Plastic2Beans, oder Plastik zu Bohne, gibt es, weil wir mit Kunststoff und Kaffeebohnen etwas Gutes bewirken möchten. Wir helfen Entwicklungsländern wie Äthiopien beim Aufbau von Kunststoffrecycling und bringen im Gegenzug fair gehandelten Spitzenkaffee von äthiopischen Kleinbauern nach Deutschland. Alle die unseren wunderbar leckeren Kaffee trinken, unterstützen damit unsere Projekte in Äthiopien. So schließt sich der Kreis.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Na ja, wir sind ein Start-Up. Da gab es viele Änderungen. Das Konzept für Marketing und Vertrieb unseres Kaffees haben wir angepasst. Und auch für die Entwicklungszusammenarbeit haben wir verschiedene Ansätze probiert, bis wir den richtigen Dreh gefunden haben. Aber das grundlegende Konzept ist immer gleich geblieben: Entwicklungszusammenarbeit im Bereich Kunststoffrecyling und nachhaltigen Handel mit Kaffee zu verbinden.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Äthiopien hat einen starken Devisenmangel. Wir lassen uns für unsere Arbeit im Recyclingbereich in der lokalen Landeswährung Birr bezahlen. Mit den Birr kaufen wir Kaffee bei Kooperativen ein und importieren den Kaffee nach Deutschland. Dadurch umgehen wir den Devisenmangel und schaffen Anreize für äthiopische und ausländische Unternehmen, in Recyclingtechnologie zu investieren und mehr recycelte Kunststoffe einzusetzen.

Wie genau hat sich Plastic2Beans seit der Gründung entwickelt ?

Nach der Gründung haben wir uns durch ein Gründerstipendium finanziert. Dadurch hatten wir Zeit strategische Partnerschaften auszubauen und mussten nicht direkt profitabel wirtschaften.

Im Recyclingbereich haben wir Netzwerke zwischen Deutschland und Äthiopien aufgebaut und haben dadurch nun unser erstes großes Projekt, eine Machbarkeitsstudie, gesichert.

Im Kaffeebereich haben wir unseren eigenen Kaffee unter der Marke Plastic2Beans auf den Markt gebracht. Wir haben mit zwei Sorten Arabica und einem Webshop gestartet und haben Bürokaffee als einen sehr guten Absatzmarkt entdeckt. Mittlerweile haben wir auch zwei Espressovarianten im Programm, sind in ausgewählten Ladengeschäften und Kaffees in Köln vertreten, bauen den Vertrieb unseres Bürokaffees aus und planen als nächsten großen Schritt den Einstieg in den Lebensmitteleinzelhandel.

Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Wir sind aktuell 6 Leute.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Wir haben zu Beginn an sehr vielen Events teilgenommen, um uns in Köln bekannt zu machen. Da hat zwar viel Spaß gemacht. Aber die konkrete Ausbeute in Form von Leads oder Marge war ziemlich gering bei sehr großem Zeitaufwand.

Auch bei den Themen Buchhaltung, Lagerhaltung und Steuern sind wir in einige Fettnäpfchen getreten.

Einige unsere Projekte haben nicht die Ergebnisse gebracht, die wir erwartet hatten. Zum Beispiel der Stayhome-Club, ein nachhaltiger Lieferdienst mit anderen Startups nach dem ersten Lockdown im Frühjahr oder unser Pop-Up-Verkaufsstand in einem Kölner Einkaufszentrum.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Wir haben gelernt, dass sich Nachhaltigkeit nicht von selbst verkauft, auch wenn wir total begeistert von unserem Konzept sind. Es kommt auf die richtige Ansprache an. Passen Ort, Umgebung und die Leute zu uns? Finden wir die richtige Ansprache? Und stimmt unser Timing?

Aber auch Dinge, die schief laufen, haben gute Seiten. Der Stayhome-Club war zum Beispiel gut für die Vernetzung untereinander. Aus dem Pop-Up-Verkaufsstand im Einkaufszentrum können wir viele Erfahrungen in unseren gerade eröffneten Showroom in Köln-Sülz mitnehmen.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Mit der Auswahl der strategischen Geschäftspartner in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit und Kaffee sind wir weiterhin sehr zufrieden. Und auch generell haben wir zu vielen Kunden und Partnern vertrauensvolle und freundschaftliche Beziehungen. Da scheinen wir also ein gutes Händchen gehabt zu haben, bei der Auswahl. An der Stelle sagen wir noch einmal Danke an unserer Unterstützer der ersten Stunde, das Gateway der Uni Köln und das Social Impact Lab in Bonn.

Die beiden Lockdowns und die Zeit dazwischen haben wir gut gemeistert. Wir haben gemerkt, dass es ein Vorteil ist, breit aufgestellt zu sein. Für uns bedeutet das, den Kaffeeverkauf auf drei Beine zu stellen: per B2B an Büros und die Gastronomie, über den Lebensmitteleinzelhandel und über eigenen direkten Verkauf an die Endkunden.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Im ersten Jahr haben wir uns über das NRW-Gründerstipendium finanziert. Seit Anfang 2020 tragen wir uns organisch aus eigenen Einnahmen aus dem Kaffeeverkauf. Im Recyclingbereich haben wir gerade grünes Licht für unser erstes Projekt erhalten. Die Finanzierung läuft über Fördermittel aus dem Bereich Entwicklungszusammenarbeit.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Wir möchten unser erstes Projekt für das Kunststoffrecycling in Äthiopien zum Erfolg bringen und damit die Voraussetzungen für Folgeprojekte setzen.

Im Kaffeebereich möchten wir unsere Verkäufe weiter steigern und in den Lebensmitteleinzelhandel einsteigen.

Vielen Dank für das Interview.

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