KAYA&KATO – Arbeitskleidung, die biologisch, sozial und nachhaltig ist

Hallo Stefan, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei KAYA&KATO kurz vor:

Mein Name ist Stefan Rennicke. 2015 habe ich das Unternehmen KAYA&KATO mitgegründet mit dem Ziel, den Markt für Arbeitskleidung zu verändern. Zuvor war ich zehn Jahre in der internationalen politischen Zusammenarbeit tätig. Einer meiner Arbeitsbereiche war die Arbeit mit afrikanischen Ländern. Ich habe zahlreiche Entwicklungsprojekte gesehen und bin fest davon überzeugt, dass man als Unternehmer mit einer verantwortungsvollen Unternehmensführung sehr viel erreichen kann. Während meiner Tätigkeit kam ich auch immer wieder mit Baumwollprojekten in Kontakt. Da lag es nah, dass man sich den Textilmarkt anschaut und schnell feststellen wird, dass der Bereich der Arbeitsbekleidung extrem preisgetrieben ist und andere Aspekte kaum eine Rolle spielen. Da haben wir mit KAYA&KATO angesetzt: Für uns spielen Aspekte wie Anbau der Rohstoffe, Verarbeitung, Arbeitsbedingungen eine zentrale Rolle in unserer Wertschöpfung.

Zu meinem Team:

Wir arbeiten in Europa mit zahlreichen Partnern zusammen, die uns bei der Verarbeitung der Rohstoffe bis hin zum Nähen unserer Produkte unterstützen. Unseren Hauptsitz haben wir in Köln, von dort wird alles gesteuert. Unser Team in Köln besteht aus Designern, Bekleidungstechnikern, Kundenbetreuern, Marketingmanagern etc. – engagierte Mitarbeiter/innen die uns dabei helfen, KAYA&KATO voran zu bringen.

Vielleicht möchtest Du uns ganz am Anfang Euer Startup kurz vorstellen ?

KAYA&KATO ist das erste Label für vollständig nachhaltige Berufsbekleidung. Seit 2015 stellen wir aus innovativen Stoffen Arbeitskleidung her und verbinden dabei schickes Design mit hochwertiger Qualität und konsequenter Nachhaltigkeit. Die Produkte werden aus Biobaumwolle hergestellt oder bestehen aus einem Polyester-Gemisch, für das recycelter Plastikmüll aus dem Meer verwendet wird. Mit unserer Marke übernehmen wir Verantwortung für Produktion und Umwelt. Wir bieten einen transparenten Einblick in die komplexe Lieferkette der Textilwirtschaft. Die Produktion erfolgt ausschließlich in Europa, wir kennen alle Zulieferer persönlich. Zur Zeit bieten wir Kochjacken, Kochhemden, Schürzen, T-Shirts, Arbeitshosen, Servicebekleidung und ergänzende Textilprodukte für die Gastronomie, Hotellerie, Lebensmittelbranchen und den Einzelhandel.

Welches Problem wollt Ihr mit KAYA&KATO lösen ?

Biologisch, sozial und nachhaltig soll es sein: Im Bereich Lebensmittel ist das Thema „Bio“ längst bei Herstellern und Endverbrauchern angekommen. Auch in der Textilbranche wird seitens der Konsumenten zunehmend auf faire Produktionsbedingungen geachtet – egal ob bei Sportbekleidung, Streetwear oder High-Fashion. Doch während neue „grüne“ Mode-Labels aus dem Boden sprießen, findet das Thema „Nachhaltigkeit“ in Kombination mit schicken Styles und gutem Aussehen bei Berufskleidung noch wenig Beachtung. Ein Segment, das durch langweilige Schürzen oder triste Kochjacken bestimmt ist. Das wollen wir ändern.

Leider geht es viel zu häufig um den Preis. Produziert werden soll möglichst billig – mit den größten Gewinnspannen. Dabei wird zu wenig berücksichtigt, wo und unter welchen Umständen produziert wird. Auch Gesundheitsaspekte kommen zu kurz. Allein die Ernte von Bio-Baumwolle ist aufwendig und zeitintensiv, da man aufgrund des Verzichtes von chemischen Mitteln keine gleichzeitige Blüte der Pflanzen hat und mehrfach ernten muss. Uns ist wichtig, dass die Menschen von ihrer Arbeit auch leben können und lassen unsere Produkte durch zahlreiche Zertifikate extern prüfen.

Wie ist die Idee zu KAYA&KATO entstanden ?

Wir haben KAYA&KATO zu dritt gegründet: Meine Frau, Stefanie Rennicke, ein Freund von uns, Lillo Scrimali, und ich. Die Idee dazu kam uns, als wir abends in einem tollen Restaurant mit gutem Essen, guter Atmosphäre und toller Einrichtung saßen. Alles war perfekt nur das Servicepersonal war in billigste Schürzen gekleidet – das passte überhaupt nicht in das Gesamtkonzept. Aus diesem Eindruck heraus haben wir KAYA&KATO entwickelt, haben uns den Textilmarkt angeschaut und schnell festgestellt, dass der Bereich der Arbeitsbekleidung extrem preisgetrieben ist und andere Aspekte kaum eine Rolle spielen. Wir drei Gründer sind vom Prinzip der Nachhaltigkeit fest überzeugt. Da haben wir angesetzt: Für uns spielen Aspekte wie Anbau der Rohstoffe, Verarbeitung, Arbeitsbedingungen eine zentrale Rolle.

Wie würdest Du Deiner Großmutter KAYA&KATO erklären ?

KAYA&KATO stellt Arbeitskleidung her und übernimmt dabei Verantwortung für die an der Herstellung beteiligten Menschen und unsere Umwelt.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Ursprünglich wollten wir nur Produkte aus Bio-Baumwolle anbieten, da dies ein nachhaltiger Rohstoff ist, der sich wieder vollständig recyceln lässt. Wir mussten jedoch schnell feststellen, dass Arbeitskleidung häufig industriell und damit unter extremen Bedingungen gewaschen wird. Um den hohen Anforderungen an Arbeitskleidung gerecht zu werden, haben wir nach einer nachhaltigen Lösung gesucht, die dem gerecht wird: Den Ansprüchen der Kunden und Wäschereien einerseits und der Umwelt andererseits. So greifen wir auf bereits vorhandene Rohstoffe für die Herstellung unserer Stoffe zurück und verwenden jetzt Plastikmüll aus dem Meer, der gereinigt und zu Granulat recycelt wird. Dieses Granulat wird dann zu Polyestergarn weiterverarbeitet und mit weiteren natürlichen und ökologischen Fasern, z.B. Biobaumwolle, verwoben. Mit unserem Konzept können wir Plastikmüll aus dem Meer und Gewässern sinnvoll wiederverwerten und gleichzeitig Stoffe anbieten, die den hohen Anforderungen an Arbeitskleidung gerecht werden und auch für sehr anspruchsvolle Waschungen in Wäschereien genutzt werden können.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Wir produzieren Arbeitskleidung und verkaufen diese dann – B2B und B2C. Ab einer Abnahmemenge von 10 Stück bieten wir unseren Kunden ein Individualisierungsservice in Form von Bestickung oder Bedruckung der Kleidung. Bei großen Anfragen designen und produzieren wir auch exklusive Kollektion für unsere Kunden.

Wie genau hat sich KAYA&KATO seit der Gründung entwickelt ?

Wir haben in den letzten Jahren unsere Kollektion stetig weiterentwickelt und statten heute mit individuell designten Konzepten große Kunden aus. Wir freuen uns zu sehen, dass das Thema Nachhaltigkeit (auch trotz Corona) immer mehr an Bedeutung gewinnt und auch bei großen Unternehmen mehr und mehr im Fokus steht.

Nun aber einmal Butter bei die Fische: Wie groß ist Euer Startup inzwischen ?

Unser Team in Köln besteht aktuell aus 10 Mitarbeiter/innen, die uns im Bereich Design, Produktion, der Kundenbetreuung, im Marketing, Controlling etc. unterstützen.

Blicke bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schiefgegangen ?

Zu Beginn war es eine wirkliche Herausforderung eine komplette, nachhaltige Produktionskette aufzubauen. Im Gegensatz zu vielen anderen Produzenten wollen wir genau wissen, wer was unter welchen Umständen produziert. Es geht also nicht darum, schnell eine Produktlinie auf den Markt zu bringen, die in asiatischen Billiglohnländern unter zweifelhaften Bedingungen hergestellt wird. Zu Beginn gab es da die ein oder andere Überraschung bei der Produktion und wir haben Lieferungen erhalten, die wir so nie produzieren wollten. Solche „Überraschungspakete“ sind zum Glück schnell immer weniger geworden.  

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Am besten alles zweimal kontrollieren 😉.

Und wo habt Ihr bisher alles richtiggemacht ?

Mit unserer Transparenz und Nachhaltigkeit haben wir von Grund auf den richtigen und neuen Produktionsweg für den Arbeitsbekleidungsmarkt gewählt. Darüber hinaus werden wir ab diesem Jahr die Digitalisierung sowohl in der Supply Chain als auch am Produkt selbst massiv vorantreiben. Dazu starten wir noch in diesem Jahr eine Kooperation mit einem internationalen IT-Unternehmen und arbeiten ab Oktober in einem deutsch-französischen Forschungsprojekt mit. Die sinnvolle Kombination von Nachhaltigkeit und Digitalisierung ist aus unserer Sicht die Zukunft.  

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Aus Eigenkapital, einem Kredit und einem Investment.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate?

Wir möchten das Label für Berufsbekleidung in Deutschland werden und mittelfristig auch international Expandieren.

Vielen Dank für das Interview.

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