Airpag – entwirft Rucksäcke aus Materialien vom Schrottplatz

Hallo, vielen Dank, dass Ihr Euch die Zeit für ein Interview mit uns nehmt! Bitte stellt uns zu Beginn Euch und Euer Team bei Airpag kurz vor:

Michael: Hallo, wir sind Adrian Goosses und Michael Widmann und zusammen sind wir Airpag UG.

Vielleicht möchtest Du uns Euer Startup, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Adrian: Wir von Airpaq designen Rolltop-Rucksäcke und andere Accessoires aus aussortierten Airbags, verschrotteten Sicherheitsgurten und alten Gurtschlössern.

Wir verfolgen dabei ganz klar den Upcycling-Gedanken und verbinden ressourcenschonende, nachhaltige und fair produzierte Mode mit urbanem Design.

Welches Problem wollt Ihr mit Airpaq lösen ?

Adrian: Unser Ziel ist es, Produkte zu entwickeln, die unsere Kunden ökologisch, ethisch und ästhetisch überzeugen.

Michael: Neben der persönlichen Erfüllung, die wir durch unser Projekt erlangen, hoffen wir, einen Teil zu einem nachhaltigeren Bewusstsein in der Modewelt beitragen zu können.

Wie ist die Idee zu Airpaq entstanden ?

Michael: Alles begann 2015 als Studienprojekt während unseres Masters ‚Strategic Entrepreneurship‘ in Rotterdam. Wir wollten einen nachhaltigen Rucksack entwickeln und kamen auf die besonders widerstandsfähigen Materialien, den Airbag und die Sicherheitsgurte. Ohne jegliche Näh- und Designkenntnisse entwickelten wir zahlreiche Prototypen und gründeten nach unserem Abschluss 2017 die Airpaq UG.

Wie würdet Ihr Euer Großmutter Airpaq erklären ?

Adrian: Ganz einfach: Wir entwerfen Rucksack-Modelle und andere Utensilien aus Materialien vom Schrottplatz. Airbags, Sicherheitsgurte und Gurtschlösser eignen sich an sich schon super für Taschen und Rucksäcke, man muss sie nicht noch aufwendig verarbeiten. So wiederverwerten wir Automüll und tun etwas für die Umwelt.

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Michael: Angefangen hat alles mit unserem Modell ‚Airpaq‘ – ein klassischer Tagesrucksack mit Rolltop, einem Gurtschloss als Verschluss und zahlreichen nützlichen Fächern und Features. Mittlerweile sind noch die Rucksäcke ‚Biq‘ und ‚Basiq‘ dazu gekommen und wir haben auch noch andere Taschen designt, wie den Turnbeutel ‚Baq‘ und die Bauchtasche ‚Hip Baq‘. Besonders nachhaltig sind unsere Accessoires aus den Schnittresten der Rucksack-Produktion: die Mütze ‚Cap‘ und unsere Herren-Fliege.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

Adrian: Unser Geschäftsmodell besteht in der Entwicklung und im Vertrieb unserer Produkte. Wir vertreiben unsere Produkte dabei im B2C-Stil über unseren eigenen Online-Shop und unseren eigenen kleinen Laden in Köln, wie auch im B2B-Stil an Händler und Geschäfte mit Fokus auf nachhaltige Produkte. Unser gesamtes Konzept beruht dabei auf dem Prozess des Upcyclings: wir benutzen kaum neue Materialen für unsere Produkte, sondern verarbeiten Ausschussware weiter. Durch diese Art der Abfallverwertung werden kostbare Ressourcen geschont. Generell versuchen wir entlang der gesamten Supply Chain und Wertschöpfungskette so effizient und nachhaltig wie möglich zu handeln. Von der Materialbeschaffung über die Produktenwicklung und Produktion bis hin zum Versand unserer Produkte an den Endkonsumenten ist stets die Nachhaltigkeit unsere oberste Priorität. Bspw. beziehen wir unsere Materialien aus der Ausschussware eines Automotivkonzerns, der nur 80km von unserer Produktionsstätte in Rumänien entfernt ist – kurze Lieferwege. Wir sind für eine möglichst effiziente Produktionsplanung und Produktion mit unserem Produktionspartner im ständigen und engen Kontakt. Auch die Pakete an unsere Endkunden versenden wir möglichst klimaneutral: kein Plastik und  recycelte Pappkartons.

Wie genau hat sich Airpaq seit der Gründung entwickelt ?

Michael: Wir konnten unseren Umsatz jährlich verdoppeln und haben auch unser Team vergrößert. Zu zweit haben wir begonnen und sind mittlerweile zu sechst.

Blickt bitte einmal zurück: Was ist in den vergangenen Jahren so richtig schief gegangen ?

Adrian: Da fällt mir die Messe ‚L’Artigiano in Fiera‘ in Mailand im Dezember letzten Jahres ein. Die Teilnahme-Kosten für die zehntägige Messe waren sehr hoch und es lohnte sich überhaupt nicht für uns.

Was habt Ihr daraus gelernt ?

Adrian: Für unsere Wachstumsstrategie war das Learning, dass die Präsenz von Nachhaltigkeit in der Bevölkerung ganz klar mit dem Erfolg unserer Produkte zusammenhängt. In Nord-Europa beschäftigt man sich bereits viel mehr mit dem Thema und das wirkt sich auch auf den Verkauf unserer Produkte aus.

Und wo habt Ihr bisher alles richtig gemacht ?

Michael: Wir sind absolut froh darüber, dass wir an unserer Idee aus dem Studienprojekt festgehalten haben und unser Unternehmen 2017 gegründet haben.

Wie ist Euer Startup finanziert ?

Adrian: Nach unserer Gründung haben wir eine Crowdfunding-Aktion über die Plattform ‚Kickstarter‘ gestartet. Es war eine Vorfinanzierung unserer Produktion. Die Leute konnten ihre Rucksäcke quasi schon kaufen und bekamen sie fünf Monate später. Wir haben also keine Spenden angenommen oder mit Investoren gearbeitet.

Seitdem finanzieren wir uns organisch aus dem Verkauf unserer Produkte.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Michael: Gerade haben wir unser Rucksack-Modell ‚Airpaq-Basiq‘ neu auf den Markt gebracht. Damit wollen wir aus der Upcycling-Nische heraus zum Mainstream, denn er ist nachhaltig und fair produziert, dabei aber schick designt und kann auch preislich mit Nicht-Upcycling-Produkten mithalten.

Vielen Dank für das Interview.

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