plusX möchte die Schere zwischen Arm und Reich ein bisschen weiter schließen

Hallo Felix, vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für ein Interview mit uns nimmst ! Bitte stelle uns zu Beginn Dich und Dein Team bei plusX kurz vor:

Ich bin Felix und habe im April 2020 mit plusX mein zweites Startup gegründet. Neu ist, dass es diesmal ein Social-Startup ist und dass ich zunächst allein gegründet habe. Zum Glück werde ich mittlerweile von Anuschaa, Olga, Nilay und Daniel unterstützt.

Vielleicht möchtest Du uns Euer Startup plusX, ganz zu Beginn unseres Interviews, kurz vorstellen ?

Gemeinsam mit plusX kannst du Einfluss nehmen und die Schere zwischen Arm und Reich ein bisschen weiter schließen.

Über unsere digitale Spendenplattform für Freizeitgutscheine ermöglichen wir finanziell benachteiligten Menschen den Zugang zu Freizeitaktivitäten. Wir sind der Überzeugung, dass die Teilhabe an Freizeitaktivitäten gerade für Kinder- und Jugendliche ein zentraler Bestandteil des Aufwachsens ist und einen Beitrag zur Chancengleichheit – auch in anderen Bereichen – leistet.

Welches Problem wollt Ihr mit plusX lösen ?

Stell dir vor es ist Sommer und deine Freunde gehen ins Schwimmbad oder in den Hochseilgarten klettern. Für dich steht aber fest, dass du dir diesen Monat gerade mal das Nötigste kaufen kannst. Schon allein die Fahrt hin und zurück mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, wäre kaum machbar.

„finanziell benachteiligte Menschen“ mag für viele sehr abstrakt klingen, aber die Armutsquote in Deutschland liegt mit 15,9% so hoch wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Über 13 Millionen Menschen sind betroffen. Interessant ist, dass der überwiegende Teil der Armen erwerbstätig ist. Besonders hart trifft es dabei Kinder und Jugendliche. In Deutschland lebt etwa jedes fünfte Kind dauerhaft oder zeitweise in Verhältnissen, in denen Freizeitaktivitäten, wie ein Zoo- oder Kinobesuch, für sie und ihre Familien finanziell nicht zu bewältigen sind.

Neben dem Besuch im Zoo sind viele andere Aktivitäten Teil des gesellschaftlichen Lebens. Nicht daran teilnehmen zu können, bedeutet leider oft, sich ausgeschlossen zu fühlen. Man muss also nicht in die weite Welt schauen, Armut gibt es auch direkt vor der eigenen Haustür.

Wie ist die Idee zu plusX entstanden ?

Die Idee von plusX entstand aus dem Beispiel der Caffè sospeso (dt. schwebender Kaffee oder aufgeschobener Kaffee) Bewegung. Hier spendet jemand einen Kaffee für jemanden, der es sich nicht leisten kann. Der Spender nimmt quasi einen anderen mit. Der Bedürftige ist sein “plus eins”.

Wir haben das Konzept digitalisiert und auf den Freizeitbereich ausgeweitet. Von Gästelisten ist es wahrscheinlich vielen bekannt, jemanden als “plus eins” anzugeben. Aber warum eigentlich nicht auch “plus zwei” oder eben “plus X” mitbringen?

Abgesehen von der Assoziation der Gästeliste oder Einladung mit plus X, ist das X ein bekanntes Symbol für viele Zwecke. Unter anderem ist das X für uns Symbol für

  • das Unbekannte: wir ermöglichen Menschen Erlebnisse, die sie sich sonst nicht leisten können
  • die Kreuzung: wir bringen Menschen für mehr Chancengleichheit zusammen
  • die Multiplikation: wir wollen mehr erreichen
  • eine Variable: du entscheidest selbst wie wie viele Menschen dein plus X sind

Hat sich Euer Konzept seit dem Start irgendwie verändert ?

Ganz zu Anfang war es vorgesehen, dass man als Spender ausschließlich aktivitätsbezogen Spenden kann. Das heißt, dass ich mir eine Aktivität auf unserer Plattform aussuche, für die ich anschließend ein oder mehrere Gutscheine spende. Durch das Feedback unserer Spender haben wir gemerkt, dass es auch den Wunsch danach gibt einen freien Betrag zu spenden. Also haben wir freie Spenden möglich gemacht und bekommen dadurch auch ein besseres Gleichgewicht zwischen den angebotenen und den nachgefragten Gutscheinen.

Mit Hilfe der Impact Factory Duisburg haben wir über weitere Geschäftsmodelle zur Finanzierung unserer Vision nachgedacht und nun einen Anknüpfungspunkt in der Kooperation mit Städten gefunden, die selbst ein Interesse daran haben, ihre Stadt für alle Bürgerinnen und Bürger lebenswert zu machen. In diese Richtung möchten wir gerne weiterdenken.

Wie funktioniert Euer Geschäftsmodell ?

plusX ist eine gemeinnützige Organisation. Wir haben uns mit der Gründung der plusX gUG bewusst dazu entschieden kein kommerzielles Geschäftsmodell aufzubauen. Nichtsdestotrotz muss sich auch eine gemeinnützige Organisation finanzieren. Dazu nutzen wir Spenden, Stiftungsgelder und andere Fördermittel.

Das besondere an der Finanzierung von plusX gegenüber anderen Organisationen ist, dass der gespendete Wert zu 100% ankommt. Was meinen wir damit? Gehen wir einmal davon aus, dass ein Kinobesuch 10 € kostet und ein Spender eben diesen Kinobesuch mit seiner Spende von 10 € spenden möchte, dann werden genau diese 10 € des Spenders auch für den Kauf des Kinogutscheins verwendet. Im Hintergrund spendet uns der Kinobetreiber aber seinerseits 2 €, weil auch er es sinnvoll findet soziale und kulturelle Teilhabe zu fördern. Diese verbleibenden 2 € können wir bei plusX dann beispielsweise dafür einsetzen unsere Serverkosten, Werbekosten oder Personalkosten zu bezahlen.

Was sind Eure Pläne und Ziele für die nächsten 12 Monate ?

Innerhalb der nächsten 12 Monate wollen wir möglichst vielen finanziell benachteiligten Menschen eine Freude machen. Dazu werden wir auch in ein oder zwei weitere Städte expandieren. Außerdem wünschen wir uns, unsre Finanzierung breiter aufzustellen, damit wir unser ehrenamtliches Engagement bezahlen können. In diesem Zusammenhang werden wir Kooperationen mit Städten schließen, denen das wohl aller ihrer Bürgerinnen und Bürger wichtig ist.

Vielen Dank für das Interview.

2 thoughts on “plusX möchte die Schere zwischen Arm und Reich ein bisschen weiter schließen

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